Eine jüngere Studie zum Thema Energieberatung in der Industrie zeigte, dass viele Industrieunternehmen Schwierigkeiten bei der Suche nach einem geeigneten Energieberater haben. Das wirdbn darauf zurückgeführt, dass zwei Aspekte die Qualität von Energieberatungen bestimmen: Einerseits muss die fachliche Qualifikation des Beraters stimmen. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch andererseits die Passgenauigkeit des Beraters für das Unternehmen, für die spezielle Branchen- und Prozesskenntnis erforderlich ist. Entscheidend ist am Ende das richtige Matching.

Immense Einsparpotenziale in der Industrie

Zahlreiche Studien zeigen: In der deutschen Industrie, die ein Drittel der Endenergie verbraucht, sind die ungenutzten Energieeffizienzpotenziale noch immens. Eine Studie der auf Industrie spezialisierten Beratung ÖKOTEC gemeinsam mit dem Fraunhofer IPK und dem Effizienzverband DENEFF zeigte, dass zur Hebung dieses Potenzials häufig externe Beratungsexperten notwendig sind. Energieberatungsleistungen wie Energieanalysen, -audits oder -managementsysteme sind seit Jahren am Markt bewährte Instrumente, um die vielfältigen Energieeffizienzpotenziale zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu entwickeln. Dies hat auch die Politik erkannt und verschiedene Ansätze etabliert, um die Energieberatungen in Unternehmen zu fördern. So müssen große Unternehmen beispielsweise alle vier Jahre ein Energieaudit durchführen, für KMU gibt es Förderprogramme für „Energieberatung im Mittelstand“ oder zur Einführung von Energiemanagementsystemen.

…Denn sie wissen nicht, was sie wollen

Trotz dieser Einsicht und der Unterstützung durch die Politik nehmen viele Unternehmen keine Energieberatungsleistungen in Anspruch. Von beratungswilligen Unternehmern hört man häufig die Klage, dass die Suche nach einem geeigneten Anbieter ihnen große Schwierigkeiten bereitet. Sie könnten die Qualifikation der Berater in vielen Fällen nicht einschätzen, da der Begriff „Energieberater“ nicht geschützt ist. Auch die Sorge vor „schwarzen Schafen“ der Branche sei unter anderem aufgrund des Informationsungleichgewichts zwischen Beratern und zu Beratenden vorhanden, so die Kernerkenntnis von Unternehmensbefragungen in der ÖKOTEC-Studie. Angesichts der vielen verschiedenen Beratungsleistungen falle es den Unternehmen zudem schwer, eine richtige Angebotsanfrage an die richtigen Anbieter zu stellen. Ein Mitarbeiter einer großen Energieberatungsfirma fasst die Problematik so zusammen: „Der Kunde weiß nicht, was er will, und er weiß auch gar nicht, was er fragen soll.“ Hinzu kommt im Industriebereich im Vergleich zum Gebäudebereich eine weitere Hürde: Auch ein sehr guter Energieberater kann für ein bestimmtes Unternehmen des produzierenden Gewerbes ungeeignet sein, da die Produktionsprozesse sogar innerhalb einzelner Branchen unterschiedlich sind. Die Herausforderung besteht also nicht nur darin, einen guten, sondern auch einen passgenauen, für das individuelle Unternehmen geeigneten Energieberater zu finden. Die existierenden Beraterlisten helfen dabei meist nicht weiter, so die Schlussfolgerung der Studie.

Eine Singlebörse für Energie-Beratungen

„Im Grunde bräuchte man ein onlinebasiertes Matching von Unternehmen, die eine Beratung suchen, mit dem für sie perfekten Energieberater, ähnlich wie bei einer Singlebörse“, so Dr. Christoph Zschocke, Geschäftsführer von ÖKOTEC. Entsprechend hat das Studienkonsortium bereits die Grundlage für ein solches Matching- Tool entwickelt – Geldgeber hierfür war übrigens die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Das Tool soll Unternehmen mit einem Leitfaden Schritt für Schritt in die Lage versetzen, die richtigen Fragen bei der Beratersuche zu stellen. Auf der anderen Seite könnte künftig eine standardisierte Beraterselbstauskunft stehen, so dass Unternehmen und passender Berater sich wie mittels einer Partnerbörse anhand von Kriterien matchen. Bis es so weit ist, müssen die Unternehmen sich noch selbst auf die Suche machen.