Die deutsche Industrie ist zu langsam beim Wandel zu Industrie 4.0 – und riskiert dadurch laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) große Wertschöpfungsverluste. Energieeffizienz könnte für viele Unternehmen ein Sprungbrett in die Digitalisierungebieten. Landepunkt könnten automatisierte Entscheidungen sein, die alle Produktionsfaktoren berücksichtigen.

Digitale Energieeffizienzlösungen als Einstieg in Industrie 4.0

Wenn die Wirtschaft den Anschluss an die Digitalisierung verpasst, droht dem BMWi zufolge ein Verlust von 10 Prozent der industriellen Wertschöpfung. Eine aktuelle Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. zeigt, dass diese Gefahr durchaus real ist: Die Mehrzahl der deutschen Unternehmen sei noch nicht bereit für die Digitalisierung. Eine Sichtweise, die Energieeffizienz und Digitalisierung gleichermaßen berücksichtigt, könnte dies ändern. Dr. Stephan Theis, Geschäftsführer des Energieberatungsunternehmens Econ Solutions: „Energieeffizienz wird oft höchstens als Nebenprodukt von Industrie 4.0 angesehen. Das wird ihr aber nicht gerecht, denn ein digitales Energiemanagement kann für viele Unternehmen den perfekten Einstieg in Industrie 4.0 bieten.“ Wer seine Energiedaten digital überwacht, könne nicht nur Energie einsparen, sondern gleichzeitig auch Informationen über seine Produktionsprozesse erhalten, z. B. Schäden an Anlagen frühzeitig erkennen und Produktionsausfällen verhindern.

FlexEfficiency: Wenn Energieeffizienz und Flexibilität sinnvoll zusammenspielen

Die ETA-Fabrik an der Universität Darmstadt zeigt, was heute schon möglich ist: Sie produziert sehr energieeffizient und trägt gleichzeitig, gesteuert durch eine intelligente Software, dazu bei, das elektrische Versorgungsnetz zu stabilisieren. Die Agora Energiewende bezeichnet ein Zusammenspiel von Energieeffizienz und Flexibilität als „FlexEfficiency“ und schlägt auch gleich politische Instrumente vor, um dies zu unterstützen. Die automatische Steuerung von Anlagen könnte noch weiter gehen. So weit, dass Entscheidungen, was wann und in welcher Menge produziert wird, vollständig automatisiert getroffen werden und dabei alle Produktionsfaktoren wie Energieeffizienz, Energieverfügbarkeit und Kundenwünsche einfließen. Darauf warten sollten die Unternehmen aber nicht. Wenn die Chancen von Industrie 4.0 genutzt werden, kann nämlich laut BMWi nicht nur der drohende Wertschöpfungsverlust vermieden, sondern sogar ein zusätzliches Wachstum zwischen 200 und 425 Milliarden Euro bis 2025 erzielt werden.