Eine kürzlich erschienene, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Auftrag gegebene Studie, die langfristige Szenarien bis 2050 für die Transformation des Energiesystems untersucht, kommt zu dem Schluss, dass Energieeffizienz sowohl mittel- als auch langfristig einen erheblichen Anteil am Erreichen der Klimaziele haben wird. Besonders hervorgehoben werden die Effekte der Energieeinsparung zur Emissionsreduktion und als Katalysator beim Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Strom, beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze sowie der Einfluss der energetischen Gebäudesanierung auf die Wärmewende. Errechnet wurden ein Referenz- und ein Basisszenario, wobei Ersteres einem „Weiter so“ entspricht, ohne Erweiterung der Maßnahmen und dem Stopp existierender Förderpolitiken nach deren planmäßigem Ende. Das Basisszenario dagegen ist das Zielszenario der Studie, indem die energie- und klimapolitischen Ziele mit zusätzlichen Maßnahmen unter der Maßgabe möglichst geringer Kosten erreicht werden. Weitere Szenarien sollen noch veröffentlicht werden.

Energieeffizienz kann wichtige Problemzonen bei der Transformation des Energiesystems beheben

Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass Energieeffizienz auf verschiedene Weise zur erfolgreichen Transformation des Energiesystems beitragen kann. Mittel- und langfristig hilft ein effizienter Umgang mit Energie, CO2-Emissionen einzusparen und ist damit Baustein beim Erreichen der Klimaziele. Zudem, so die Studie, „ermöglicht Effizienz aber häufig auch erst den Einsatz von Strom zur Verdrängung von fossilen Brennstoffen.“ Des Weiteren sind Wärmepumpen bei Power-to-Heat, der Wärmerzeugung mittels Strom, von großer Bedeutung, sowohl für die Reduzierung des fossilen Energiebedarfs, als auch für die Vereinfachung der Integration erneuerbarer Energie in das Gesamtsystem durch eine Erhöhung der Flexibilität desselben. Deutlich wird hier aber auch: Voraussetzung des Einsatzes von Wärmepumpen ist eine gute Dämmung des Gebäudes, da der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Strom bei der Wärmegewinnung so deutlich erleichtert wird. Für den gesamten Industriesektor errechnet die Studie im Referenzszenario eine Primärenergie-Einsparung von 36 Prozent bis 2050. Wird der bisherige Weg weitergegangen, werden die gesteckten Ziele also deutlich verfehlt. Im ambitionierteren Basisszenario wird das Ziel mit 52 Prozent Einsparung bis 2050 sogar leicht übererfüllt. Bei diesem Szenario gehen die Gutachter jedoch davon aus, dass, beispielsweise, die EnEV-Standards ambitionierter gestaltet werden, die Förderung von hocheffizienten Querschnittstechniken und Energieaudits erhöht wird und sich innovative Prozesstechniken in der energieintensiven Industrie durchsetzen.

Wärmewende kann nur gelingen, wenn konkrete Maßnahmen umgesetzt werden

Laut der Studie machen die langen Lebensdauern von Gebäuden und ihrer Heizungstechnologie die Wärmewende zu einer großen Herausforderung. Es wird davon ausgegangen, dass Gebäude, die in den nächsten Jahren gebaut werden, bis 2050 zum größten Teil noch existieren und nach bisherigem Trend nur zu einem zu geringen Anteil saniert werden. Daraus ergibt sich ein großer Handlungsdruck bei der Bestandssanierung. Die entworfenen Zielszenarien sind trotzdem optimistisch, dass durch höhere Standards, Verbesserung der Informationsbereitstellung und Maßnahmen in Qualifizierung, Training und Bewusstseinsbildung sowohl Sanierungsrate als auch-tiefe erhöht werden können. Gesamtheitlich betrachtet errechnen die Gutachter im Referenzszenario eine Reduktion des Energiebedarfs im Gebäudesektor um 460 TWh bis 2050, im Basisszenario sind es 860 TWh, was sich vor allem aus den deutlich höheren Sanierungsraten ergibt, die in der Periode 2040-2050 auf 2,5 bis 3,5 Prozent steigen.

 

Ambitionierte Klimaziele erfordern gesamtgesellschaftliches Engagement

Die übergeordnete Erkenntnis der Studie lautet, dass die ambitionierten energie- und klimapolitischen Ziele und der erforderliche Transformationsprozess nur erreicht werden können, wenn alle beteiligten Stakeholder zusammenarbeiten. Unter anderem erfordere die Transformation neue Technologien und Konzepte sowie die Bereitschaft bei Bürgern und Unternehmen, Verhalten, Investitionsentscheidungen und Geschäftsprozesse zu ändern. Zudem wäre es nötig, die Bereitschaft zu zeigen, Mehrkosten in Kauf zu nehmen, da der Nutzen vermiedener Klimaschäden erst späteren Generationen zugutekomme, so die Studie.

Die Bereitschaft in der Bevölkerung ist durchaus vorhanden: Wie eine repräsentative Umfrage im Auftragung der DENEFF herausgefunden hat, sehen 96 Prozent der Bürger Energiesparen als wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, 90 Prozent wünschen sich hier mehr Unterstützung seitens der Politik – und zwar für Unternehmen und Privatpersonen.