Industrie 4.0 scheint zu einer Art Zauberwort im Industriesektor geworden zu sein: Wer sie zu nutzen weiß, steht auf der Gewinnerseite. Dennoch: Für viele ist und bleibt sie ein Buch mit sieben Siegeln. Wissenschaft und Forschung bereiten deshalb in sogenannten Zukunftsfabriken den Weg für die vierte industrielle Revolution,aber auch die Politik schafft Anreize, damit deutsche Unternehmenden Sprung ins neue digitale Zeitalter schaffen und dabei die Energieeffzienzpotenziale der Digitalisierung mitnehmen.

Deutsche Industrie nicht auf die Digitalisierung vorbereitet

Wie unsicher die deutsche Unternehmenslandschaft in Bezug auf den anstehenden Umbruch ist, zeigt eine Studie von McKinsey: 91 Prozent der befragten Unternehmen sehen zwar eine große Chance in der Digitalisierung, sechs von zehn Betrieben fühlen sich dennoch nicht ausreichend auf den digitalen Wandel vorbereitet. Aber was genau steckt eigentlich hinter der vielfach versprochenen Industrialisierung der vierten Generation? Es geht um nicht weniger als die intelligente Vernetzung von Mensch und Maschine im industriellen Prozess, sodass Produkte, Maschinen, Zulieferer und Endkunden optimal aufeinander abgestimmt werden. Energieeffzienz ist dabei nicht nur ein wünschenswertes Nebenprodukt, sondern auch maßgeblicher Antriebsfaktor der Digitalisierung.Die Wissenschaft hat den Geist der Zeit erfasst: Diverse Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten an innovativen Methoden, um Unternehmen den Weg in das neue Zeitalter zuebnen und sie mithilfe digitaler Lösungen energieeffzienter zu gestalten.

Energieeffizienz in digitaler Aufbruchsstimmung

In der E³-Forschungsfabrik der Technischen Universität Chemnitz forscht man zu Synergien zwischen Digitalisierung und Energieeffzienz. Das ZIEL der Wissenschaftler und Ingenieure kann indiesem Fall im buchstäblichen Sinne verstanden werden: Man möchte ein Zukunftsfähiges Intelligentes Energie- und Lastmanagement konzipieren. Denn obwohl die Digitalisierung stets hoch angepriesen wird, ist die digitale Erfassung und Koordination des Energieverbrauchs in Unternehmen noch nicht der Regelfall. An der E³-Forschungsfabrik hat man es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, durch Datenschnittstellen zu allen Maschinen alle Auftrags-, Material- und Energieflüsse zu erfassen, zu bewerten und zu synchronisieren.Das resultierende Energiemanagementsystem soll die Produktionsprozesse energieeffzient steuern und so den Energiefluss im Unternehmen optimieren. So sollen Stromerzeuger, -verbraucher sowie -speicher intelligent miteinander verknüpft und digital koordiniert werden. Ein zweites Beispiel: Im Projekt DC-INDUSTRIE verfolgen vier Forschungsinstitute gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft das ambitionierte Ziel, die Energiewende in der industriellen Produktion umzusetzen. Dafür sollen die Produktionsabläufe der Unternehmen energieeffzienter und flexibler werden. Mittel zum Zweck ist ein intelligentes gleichstrom bezogenes Smart Grid, das Wandlungsverluste zwischen Wechsel- und Gleichstrom vermeidet. „Das Projekt demonstriert die enormen Einsparpotenziale der DC-Technologie im Industriesektor und könnte den Stromverbrauch des bisher energieintensivsten Sektors auf ein neues Minimum senken“, erläutert Prof. Dr. AlexanderSauer, Leiter des Instituts für Energieeffzienz in der Produktion (EEP) an der Universität Stuttgart.

Die Digitalisierung wartet auf Niemanden

Mittlerweile hat die Politik realisiert, dass die vierte industrielle Revolution Realität ist,und fördert vermehrt Vorhaben, die die vielfältigen Vorteile der Digitalisierung erkennen und zu nutzen wissen. So hat die grün-schwarze Regierung in Baden-Württemberg in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, dass ein Zentrum für sogenannte Ultraeffzienzfabriken entstehen soll, in dem modernste Effzienztechnologien geschaffen und erprobt werden können. Solche Projekte lassen erahnen, in welche Richtungen sich die deutsche Industrie künftig entwickeln könnte, wenn Energieeffzienz und Digitalisierung konsequent zusammengedacht und bei der Entwicklung neuer Produktionsmodelle berücksichtigt werden.